Neuenkirchen

Historischer Leinpfad am ehemaligen Max-Clemens-Kanal bei Neuenkirchen-Clemenshafen, ca. 1959 (Quelle: LWL Medienzentrum für Westfalen)

Auf alten Treidelpfaden

Hier befand sich eine von insgesamt 15 hölzernen Brücken über den Max-Clemens-Kanal. Die Brücken dienten sowohl der Überquerung als auch dem Be- und Entladen der passierenden Boote. Der Kanal hatte an dieser Stelle zwischen Clemenshafen und Maxhafen meist nur noch eine Breite von sechs bis acht Metern. Aufgrund der geringen Breite, verkehrten auf dem Max-Clemens Kanal kleine Holzboote, sogenannte Treckschuten, die vom Ufer aus mit zwei Pferden über das Wasser gezogen wurden. 

Die Treckschuten waren etwa 16 Meter lang, 3 Meter breit und wurden erstmals in den Niederlanden gebaut und eingesetzt. Später waren sie weitverbreitet. Anderenorts wurden sie nicht nur von Pferden, sondern auch von Eseln, Ochsen oder sogar von Menschen „getreidelt“ (gezogen). Erst mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt verschwanden die Treckschuten. Der „Treidelpfad“ oder auch „Leinpfad“, auf dem die Pferde liefen, befand sich auf der westlichen Seite des Kanals und war für den übrigen Verkehr, wie Pferdefuhrwerke, nicht zugelassen; teilweise sogar abgesperrt.


Altes Foto des Max-Clemens-Kanal s Ehemaliger Max-Clemens-Kanal bei Neuenkirchen, 1954 (Quelle: LWL Medienzentrum für Westfalen)

Auf alten Postrouten

Clemenshafen liegt etwa zwei Kilometer entfernt Richtung Münster. Von 1733 bis 1771 wurde es zweimal in der Woche von einem Postschi aus Münster angefahren. Von dort aus wurde die Post mit Postkutschen weiterbefördert. Die Route Wettringen-Ochtrup-Enschede-Zwolle lief am Max-Clemens-Kanal entlang und zweigte in einem Kilometer Entfernung am heutigen Schützenplatz in Richtung Wettringen ab. Von 1771 an verlief der Schi sverkehr bis Maxhafen. Die Post wurde von dort auf dem Landweg weiterbefördert. Bei den Anwohnern trägt der Weg, soweit er noch vorhanden ist, bis heute den Namen „Postdamm“.

 


Altes Foto einer Postkutsche Foto: Gemeindearchiv

Vom Ende der Bauerschaftsschule

Vielerorts in Deutschland ging Mitte der 1960er Jahre das lange Kapitel der Dorfbauerschaftsschulen oder auch „Zwergschulen“ zu Ende. Es waren Einrichtungen auf dem Land, die es auch Kindern aus entlegenen Orten ermöglichten, am Unterricht teilzunehmen.

In einer Entfernung von rund 1 km direkt am früheren Treidelpfad befand sich eine dieser Schulen. Von 1901 bis 1966 wurde hier anfangs in einem und ab 1949 in zwei Räumen unterrichtet. Anfang der 1950er Jahre waren es bis zu 180 Schüler, die hier sowohl Vormittags- als auch Nachmittagsunterricht erhielten. Die hohe Schülerzahl war bedingt durch die vielen Flüchtlingsfamilien, die während und nach dem zweiten Weltkrieg aus den bombardierten Städten  flohen. Nachdem sie zunächst in der Bauerschaft untergebracht wurden, siedelten viele von ihnen im neu entstanden Ortsteil St. Arnold. Das Schönschreiben und Stillsitzen auf alten Holzschulbänken waren damals noch wichtige Tugenden und wurden meist mit strengen Lehrmethoden durchgesetzt.


Altes Foto einer Schule mit zwei Bäumen im Vordergrund. Feldschule St. Arnold um 1950, der Anbau eines 2. Klassenzimmers wurde 1949 getätigt
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